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Kulturnadel geht an alternative Szene

So bunt ging es bei der Verleihung im Paderborner Rathaus noch nie zu

Paderborn (WB). Die Kulturnadel der Stadt Paderborn wird längst nicht mehr nur an etablierte Kunstschaffende vergeben. So ungezwungen wie in diesem Jahr ging die Verleihung aber noch nie über die Bühne.

Das Kleine Schwarze und der Nadelstreifenanzug dürfen diesmal getrost im Schrank bleiben. Weil die Jury für den an drei Initiativen vergebenen ideellen Preis der Stadt Paderborn nämlich gleich zwei Bereiche aus der alternativen Kulturszene ausgewählt hat, gerät die Feierstunde im Historischen Rathaus am Donnerstag zu einem zwanglosen Happening, bei dem die Protagonisten wie Popstars bejubelt werden.

»In diesem Jahr werden Bereiche gewürdigt, die noch nicht so sehr im Fokus gestanden haben«, freut sich Bürgermeister Michael Dreier über das bunte Bild im Rathaussaal. Hier dominieren legere Klamotten, man zeigt Tattoos und schrill gefärbte Frisuren und scheut sich auch nicht, den kreglen minderjährigen Nachwuchs mitzubringen.

Mit Volker Heisener (36) gehört erstmals ein Graffiti-Künstler zu den Nadelträgern. Laudator Karsten Strack würdigt ihn als einen »Netzwerker, der die Kultur und die Subkultur in Paderborn mit geprägt hat.« Für den Künstler mit der Sprühdose, der in Paderborn als »Der goldene Reiter« bekannt ist, sei jedes Bild ein Abenteuer. »Heisener ist jemand, der seine Stadt so richtig gern hat.«

Als Musiker und Visionäre lobt Strack das Ehepaar Adalbert Schade und Simone Schneider. Seitdem die Beiden die Kneipe »Sputnik« im Riemekeviertel führen, habe die Stadt einen Ort, »um den uns die Berliner, die Hamburger und auch die Bielefelder beneiden«, meint er zur Erheiterung des Publikums. Hier werde nicht nur Bier getrunken, hier gebe es auch zünftige Kleinkunstprogramme. »Die Sputnik-Abende dauern oft so lange, bis schon das Tageslicht anbricht.«

Ein Portugiese aus Schloß Neuhaus
Etwas seriöser geht es bei Artur dos Santos Domingues zu, der als einziger der Geehrten in Zwirn und Schlips erscheint. Der Portugiese aus Schloß Neuhaus gehört zu den frühen Organisatoren des schon seit Jahrzehnten gefeierten Spielfestes in der Paderaue. Verdient gemacht hat er sich vor allem aber um seine Landsleute in Paderborn. Die Integration in die zweiten Heimat werde vielen Zugereisten erleichtert, wenn sie ihre nationale Kultur nicht abstreifen müssen. Die von Domingues in der Kulturwerkstatt seit 26 Jahren ausgerichteten Fado-Abende seien mittlerweile deutschlandweit bekannt.

Einen Vorgeschmack auf den am 17. November anstehenden 27. Abend erhalten die Gäste durch das von Domingues vermittelte Ensemble »Geracoes«, das die Feierstunde mit den typischen schwermütigen Melodien des portugiesischen Fado bereichert.

„Als Graffiti-Künstler ist man ja irgendwie immer im Untergrund“
Volker Heisener

Die drei Geehrten – für das Wirtsehepaar lässt sich Simone Schneider die Nadel in Form eines Pfaus ans Revers stecken – bedanken sich in ihren Schlussworten für die ideelle Auszeichnung. »Als Graffiti-Künstler ist man ja irgendwie immer im Untergrund«, meint Heisener. »Und jetzt steigt man auf einmal aus der Luke heraus.« Seinen Dank verbindet er aber zugleich mit einem Appell an die Stadt, in der City wieder eine Wand für die Sprühkunst zur Verfügung zu stellen.

Auch Simone Schneider äußert abschließend einen Wunsch. »Wir suchen in Paderborn einen Raum für ein internationales Musikfestival im nächsten Jahr«, sagt sie. »Das Schöne an Paderborn ist: Es gibt immer wieder die Möglichkeit, etwas Neues zu tun.«

Domingues bedankt sich in seinem Schlusswort bei seinen Mitstreitern des portugiesischen Vereins »Os Lusitanos« und verspricht: »So lange ich lebe, werde ich weiterhin das Spielfest und die Fado-Abende mit organisieren.«

Zum Ausklang der Feierstunde wird dann auf Klassisches verzichtet. Am aufgebauten Musikpult legt stattdessen DJ Cut Spencer seine Platten auf.

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